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©2001-2022 Ökostadt Rhein-Neckar e.V., Heidelberg
 

Ökologische Exkursion Käfertaler Wald Mannheim

Volker Ziesling zeigt die Prozesse auf Waldlichtungen.Forstwirt, Umweltaktivist und Mitgründer der Bürgerinitiative "Waldwende Jetzt!" Volker Ziesling begrüßte die insgesamt 12 TeilnehmerInnen im Käfertaler Wald Mannheim mit einer kurzen Einführung in seine Funktion als Förster und als Umweltaktivist (Greenpeace Mannheim-Heidelberg, Bürgerinitiative Waldwende jetzt). Er stellte auch die Diskrepanzen dar, die sich aus der heutigen Forstwirtschaft und dem Umweltschutz ergeben: auf der einen Seite die Sicht auf Wald als Wirtschaftsgut und auf der anderen Seite als Ökosystem. Ferner merkte er an, dass es im gemeinsamen Interesse der Förster, der Naturschützer und der Bevölkerung liegt, den Wald zu schützen und ihn als Ökosystem zu bewahren: dafür muss der Wald ganzheitlich betrachtet werden mit allen seinen Funktionen für den Klima- und Grundwasserschutz, für die Artenvielfalt (deren Lebensraum er ist) und als Lern- und Naherholungsraum und nicht zuletzt als Forst. Um diese vielfältigen Funktionen zu vereinen und in Balance zu halten, ist eine nachhaltige Forstwirtschaft unumgänglich.

Der Käfertaler Wald ist auf den Sedimenten der letzten Eiszeit (Pleistozän, vor etwa 10.000 Jahren) gewachsen. Das sind fluviale Sande des Ur-Rheins so wie nährstoffreicher Löß, abgelagert durch eiszeitliche Winde. Wenn man sich im Käfertaler Wald umschaut, findet man in der Mehrzahl Fichten und Kiefern, aber nach Standort auch Laubbäume wie Ahorn, Birken, Buchen, Eichen und Linden.

Aufmerksam gemacht wurden die Teilnehmer auf sogenannte "Neophyten" (so werden alle Pflanzen bezeichnet, die nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492 in Europa eingeführt wurden) wie z.B. die spätblühende Traubenkirsche (Prunus padus), amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) oder auch die Robinie (Robinia pseudoacacia) aus der Familie der Akazien.

Typische Fruechte der TraubenkirscheIm Gegensatz zu manchen unbeabsichtigt eingeschleppten Pflanzen hat z.B. die Traubenkirsche eine lange Geschichte: aus botanischer Neugier wurde sie wie viele andere exotische Arten im 17. Jahrhundert nach Europa gebracht und in Gärten und Parks als Zierpflanze eingesetzt. Später wurde sie großzügig als Wertholz in die Wälder eingebracht. Neben Holzgewinnung versprach man sich durch die Traubenkirsche Boden verbessernde Wirkungen. Wie die Geschichte der Traubenkirsche weiterging ist bis heute zu beobachten: das schnell wachsende Gehölz verhindert durch Schattenwurf, dass Jungbäume von Buchen und Eichen wachsen. Invasive Arten gefährden durch Wuchs und Unverträglichkeit die heimische Flora und Fauna. Heute gilt die Traubenkirsche als "Waldpest" und ist sehr schwer zu bekämpfen, wenn sie an Größe und Umfang zugenommen hat: ihr Wurzelgeflecht macht es fast unmöglich, ihre Verbreitung aufzuhalten. Deshalb ist es eine wirksame Methode, sie möglichst im frühen Wachstumsstadium samt Wurzel heraus zu reißen. Ist sie einmal verholzt, kann ihr Wachstum nur durch sogenanntes "Beringen" aufgehalten werden: das Herausritzen eines breiten Ringes aus die Rinde um die Nähstoffversorgung bis in die Krone zu unterbrechen. Ein Beitrag zum Schutz unserer Wälder kann also sein, beim Gang durch den Wald die Traubenkirsche mit der Wurzel heraus zu reißen.

Amerikanische KermesbeereAuch Baumarten wie die weit verbreitete Robinie gehören zu den invasiven Arten, genauso wie amerikanische Douglasie (Pseudotsuga) oder der Götterbaum (Ailantus altissima). Sie sind zwar resistenter z.B. gegen Salz, Trockenheit und Herbizide, verdrängen aber die heimische Flora und Fauna. Deshalb ist ihr Anbau z.B. im heimischen Garten sehr umstritten.

Die Amerikanische Kermesbeere ist gekennzeichnet durch große, tabak-ähnliche Blätter. Die Wurzel ist rübenartig. Bei Vögeln sind die süßen Kermesbeerenfrüchte sehr beliebt. Sie sorgen daher auch für die Verbreitung der Samen. Beides - Beeren und Wurzeln - enthalten Giftstoffe, wobei die rübenartigen Wurzeln und die Samen die höchsten Giftgehalte aufweisen.

Kleinbluetiges Franzosenkraut (Galinsoga parviflora)Auch auf die begleitenden Kräuter machte der Referent die TelnehmerInnen unserer Exkursion aufmerksam. Hier zwei Beispiele: Das Kleinblütige Franzosenkraut (Galinsoga parviflora) ist eher unscheinbar aber sehr vermehrungsfreudig. Es stammt ursprünglich aus Südamerika, ist inzwischen jedoch weltweit anzutreffen. Bei uns breitete es sich zu Zeiten der Napoleonischen Kriege aus, weshalb das Kraut weitläufig als Franzosenkraut bekannt ist. Auch wenn sie invasiv ist, so hat diese Pflanze doch auch Vorzüge: Sie ist reich an Eisen, Magnesium, Calcium, Vitamin A und C.

Johanniskraut (Hypericum perforatum)Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist erkennbar an den gelben Blüten und perforiert durchscheinenden Blättern. Auch wenn im landwirtschaftlichen Anbau als "Unkraut" bezeichnet, findet Johanniskraut eine beliebte Verwendung als Heilpflanze. Sie wirkt abschwellend, antibakteriell und beruhigend. Die antidepressive Wirkung dieser Pflanze ist von der Schulmedizin nachgewiesen. Mitverantwortlich dafür ist das in den Blütenblättern enthaltene Hypericin.

Während der Wanderung ging Volker Ziesling auch auf die Folgen der Klimaerwärmung für den Wald und seine Pflanzen ein. Unter der Trockenheit als Folge der Klimaerwärmung und der Grundwassersenkung leiden als Erste die Flachwurzler. Sie kommen schlechter an tiefes Wasser, trocknen deshalb schneller aus, fallen schneller um und werden vom Borkenkäfer befallen. Seit 2018 ist vermehrt zu beobachten, wie z.B. Fichten großflächig eingehen. Aber auch Tiefwurzler leiden zusehends an Trockenheit und Senkung des Grundwassers. Damit wird ein fataler Prozess in Gang gesetzt: fehlende Bäume führen zur Austrocknung des Bodens, Erosion, weniger Niederschlag und Änderung des Mikroklimas. Sollten wir nichts gegen den Klimawandel tun, und unsere Wälder nicht als Ökosysteme schützen, prophezeit Volker Ziesling unerträgliche Temperaturen in unseren Städten. Manche invasiven Baumarten sind zwar resistenter z.B. gegen Salz, Trockenhitze und Herbizide, verdrängen aber die heimische Flora und Fauna. Deshalb ist ihr Anbau z.B. im heimischen Garten sehr umstritten. Genauso gefährlich ist aber das sorglose Versprühen von Pestiziden und Herbiziden in unseren Wäldern, wie es von Forstbehörden großflächig praktiziert wird.

Fazit: Grundsätzlich plädiert Volker Ziesling für die Schonung unserer Wälder, um sie der natürlichen Sukzession zu überlassen. Dabei bilden sich verschiedene Pflanzengesellschaften und verschiedene Generationen von Bäumen. Sie sind der Garant für eine große Artenvielfalt, gesundes Mikroklima und Gewãsserschutz. Wo Neophyten dabei sind sich auszubreiten, soll man aber eingreifen um die Verbreitung zu verhindern, um Folgeschäden wie oben beschrieben vorzubeugen. Was passiert, wenn wir es unterlassen, zeigt Volker Ziesling eindrücklich an ein paar Stellen: baumhohe Traubenkirschen mit dichtem Wurzelwerk, gegen die man auch mit Axt nicht mehr ankommt.

Wer mehr Informationen erhalten oder an einer Wald-Exkursion von Volker Ziesling teilnehmen möchte kann ihn über Ökostadt Rhein-Neckar, Greenpeace Mannheim-Heidelberg oder BI Waldwende Jetzt! kontaktieren.

Weitere Referenzen:
https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de/2020/06/14/waldwende-jetzt-neugr%C3%BCndung-b%C3%BCrgerinitiative-in-der-rheinebene/
Mannheimer Morgen: https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-mannheim-initiative-will-heimische-baumarten-_arid,1667012.html
Rheinpfalz: https://www.rheinpfalz.de/lokal/speyer_artikel,-speyer-b%C3%BCrgerinitiative-waldwende-jetzt-gr%C3%BCndet-sich-_arid,5073158.html
Speyerer Kurier: https://www.speyer-kurier.de/region/artikel/buergerinitiative-waldwende-jetzt/

Beobachtungen von invasiven Arten können z.B. an NABU gemeldet werden.

   
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