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©2001-2021 Ökostadt Rhein-Neckar e.V., Heidelberg

  Gartenführung: Von der Streuobstwiese zum Waldgarten

WaldgartenfuehrungJörn Müller von permagrün führte am 13.9.2020 15 Teilnehmer von Ökostadt Rhein-Neckar durch seinen Garten und erklärte die Prinzipien, nach welchen er ihn angelegt hat. Herr Müller hat seinen Garten 2017 übernommen als Obstgarten mit vielen Brachflächen. Der Garten ist 170 m lang und 10 m breit. Die Abgrenzung zum Acker nebenan wird durch eine Totholzhecke gewährleistet. Außerdem ist Herr Müller mit einem Imker eine Kooperation eingegangen: Dieser darf seine Bienenstöcke im Waldgarten aufstellen, im Gegenzug bestäuben die Bienen die Pflanzen im Waldgarten.

Als erstes hat Herr Müller den Begriff "Waldgarten" erläutert: Ein Waldgarten ist nicht ein angelegter Garten im Wald, wie oft fälschlich angenommen. Vielmehr soll ein Waldgarten den Wald imitieren, also die vertikale Struktur, die Pflanzengesellschaften und die natürliche Sukzession im Wald.

Wälder gehören zu den effizientesten natürlichen Systemen überhaupt. Ihr Nährwert ist sehr hoch. Durch die große Biodiversität sind Wälder sehr resiliente Systeme. Sie beherbergen auf einer kleinen Fläche bis zu 150 Arten, außerdem sind für die gleiche Funktion verschiedene Pflanzen zu finden. Im Gegensatz zu einer Monokultur ist ein Wald also sehr resilient und hat eine große Bedeutung für das Klima. Neben ihrer natürlichen Funktion haben Wälder auch soziale Funktionen wie Bildung, Naherholung und Gemeinschaftsbildung.

vertikale Struktur des WaldgartensEin Waldgarten kann verschiedenen Zwecken dienen: Ernährung (dazu gehören auch Tee oder Öle), Brennholz oder Werkmaterial. Er ist über Jahrzehnte angelegt und nicht für den kurzfristigen Nutzen. Im Vergleich mit einer Monokultur wirft der Waldgarten mehr Ertrag ab, weil ganzjährig. Zu einer vertikalen Struktur gehören: Baum-Ebene (z.B. Rotbuche, reichbl. Ölweide), Strauch-Ebene (z.B. Strauchbeeren mit Wildbeeren, Johannisbeeren), Kletterpflanzen, Bodendecker-Stauden und Hitzosphäre (Knollen und Wurzelwerk) und die Mykorhyza (Pilze); Ein Grasland ist bakteriendominiert, ein Wald hingegen pilzdominiert. Dadurch werden im Wald Nährstoffe über weite Strecken verschoben und verteilt. Alle diese Bestandteile gehören zu einem stabilen Ökosystem, was sich dadurch selbst erhält und regeneriert, so dass mit der Zeit immer weniger Arbeitsaufwand notwendig wird. Bemerkenswert: Auch sog. Neophyten - also nicht heimische Arten - werden integriert, denn auch Flora und Fauna passen sich in der Natur z.B. den klimatischen Entwicklungen an: Evolution.

DokumentationZu Beginn wird ein grober Plan entworfen, um z.B. die mögliche Entwicklung einschätzen zu können: Weil Bäume z.B. mit der Zeit eine bestimmte Höhe und Breite (Krone) erreichen und nicht einfach umgepflanzt werden können. Bestehende alte Bäume werden erhalten: Sie dienen als Habitat für Insekten und Vögel. Der Plan sollte in 5, 10, 15 und 20 Jahres-Schritten gemacht werden. Wichtig ist auch die Dokumentation in regelmäßigen zeitlichen Abständen, u.a. um nachvollziehen zu können, was wann wo gepflanzt wurde und wie sich auf der gleichen Stelle alles mit der Zeit entwickelt hat. Nach dem Permakultur-Prinzip soll außerdem kein Abfall erzeugt und alles genutzt werden. Als Wasser wird Regenwasser genutzt, welches z.B. in sog. IBC-Container (1000 Liter-Wassercontainer) gesammelt wird. Weitere Komponenten eines Waldgartens können z.B. eine Heißrotte (18-Tage-Kompost) und eine Kompost-Toilette sein: Das 1:1- Verhältnis von Kohlenstoff/Stickstoff im Urin sehr günstig, sowie bei Terra Preta, Schwarzkohle. Bewässert wird durch Tröpfchen (Mikrobewässerung) und/oder Unter-Flur: durch Mulchen wird der Boden feucht gehalten.

PflanzenzuchtZuerst kommen wie in der Natur auch die Pionier-Pflanzen wie z.B. gemeiner Bockshorn oder Ölweide). Nach und nach kommen Beeren und Saaten hinzu. Beeren können durch Stecklinge gezogen werden, z.B. Josta und Johannisbeeren. Außerdem kann man Samen selbst ziehen oder kaufen z.B. bei ackerbaum im Hengstbacherhof. Welche Pflanzengesellschaften möglich und für den Standort gut geeignet sind, kann man z.B. herausfinden auf Plants For A Future. Der Boden wird "vorbereitet" in der kälteren Jahreszeit durch Abdecken mit Folie oder Pappe und anschließend etwas Stroh darauf. Dadurch werden z.B. Bodenschädlinge entfernt. Im Frühjahr wird der Boden aufgeschlossen mit Gründünger, welcher den Boden durchdringt und auflockert.

Leguminosen binden Stickstoff und geben diesen an die Pflanzungen weiter. Ein lehmiger Boden kann zwar das Wasser gut halten, maßgeblich ist aber ist ein lebendiger Boden, dazu gehören z.B. auch Regenwürmer. Deshalb sollte man nicht tief pflügen oder Maschinen einsetzen. Maschineneinsatz und chemische Schädlingsbekämpfung sind kontraproduktiv. Des Weiteren sollte der Boden ganzjährig begrünt sein und nicht brach liegen, damit Sonnenenergie nicht verschwendet wird. Außerdem wirkt Begrünung Austrocknung und Bodenerosion entgegen. Durch Wurzelausscheidung wird den Boden außerdem ernährt. Je mehr Wurzelverbindungen, umso stabiler ist das System. Statt mechanisch unterzupflügen, werden die Pflanzen als Bodendecker liegen gelassen und den natürlichen Zersetzungsprozessen durch Pilze und Insekten überlassen. Als Schädlingsbekämpfer werden Pflanzen eingesetzt wie z.B. Brennessel, Minze oder Zwiebel. Diese enthalten von Natur aus aromatische Öle und halten damit Schädlinge fern. Wichtig: Beschriftung und Dokumentation zum Vergleich wie sich die Fläche entwickelt hat, z.B. zwischen 2017 und 2020.

   
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